Löwen als Geschenk – War der chinesische Hof erfreut?
Vortrag von Prof. Ralph Kauz
Löwen war in China nie heimisch; der Persische Löwe (Panthera leo persica), auch Asiatischer Löwe genannt, war nur in Westasien, Indien und in Südosteuropa verbreitet, und von dieser Unterart gibt es heute nur noch kümmerliche Reste im Gir-Nationalpark in der indischen Provinz Gujarat. Wer nun in Peking den Sommerpalast oder auch viele andere Tempel und Amtsgebäude in China besichtigt, mag deshalb erstaunt sein, häufig Löwen als "Wächter" vor Eingängen zu finden – so aber auch in München vor der Residenz. Obwohl es Löwen in China also nie gab, war doch das Wissen über diese Raubtiere weitverbreitet, und sie genossen eine ähnlich hohe Verehrung wie im Westen, wo sie als Wappentiere häufig zu finden sind. Im vor etwa 2000 Jahren kompilierten lexikographischen Werk Erya 尔雅 steht sogar, dass er Tiger und Leoparden verspeise, also höher als diese einzuordnen sei. Löwen wurden schon in der Östlichen Han-Dynastie (25–220) als Tributgeschenke von Zentralasien an den chinesischen Hof gebracht. Besonders viele Aufzeichnungen über "Tributlöwen" finden sich jedoch erst unter der Ming-Dynastie (1368–1644), sie wurden in historischen Aufzeichnungen, Gedichten und sogar in Bildern verewigt. Dabei war sie aber durchaus nicht immer willkommen, denn die Raubtiere mussten ja verpflegt werden, und der praktische Aspekt der Kosten für diese Pflege wurde von Beamten, die sich um die Staatskasse sorgten, hervorgehoben und eben auch moniert. Löwen als Tributgeschenk und die Diskussionen der Beamten hierüber zeigen also Aspekte der historischen Diplomatie Chinas auf, von denen sich durchaus Parallelen zur Moderne ziehen lassen.
Über den Referenten:
Prof. Dr. Ralph Kauz ist Professor für Sinologie an der Universität Bonn. Er hat mehrere Studien über Tributgesandtschaften und -geschenke publiziert:
- mit Bert G. Fragner, Roderich Ptak, Angela Schottenhammer (Hg.), Pferde in Asien: Geschichte, Handel und Kultur / Horses in Asia: History, Trade and Culture, Denkschriften der phil.-hist. Klasse, 378. Band, Veröffentlichungen zur Iranistik, Nr. 46 (Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2009).
- mit Giorgio Rota und Jan Paul Niederkorn (Hg.), Diplomatisches Zeremoniell in Europa und im Mittleren Osten in der Frühen Neuzeit, Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse, 796. Band, Veröffentlichungen zur Iranistik, Nr. 52 (Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2009).
- mit Morris Rossabi (Hg.), Tribute System and Rulership in Late Imperial China (Bonn: Bonn University Press, V&R unipress, 2022).
- "Bengali Textiles as Tribute Items to Ming China", in: Rosemary Crill (Hg.), Textiles from India: The Global Trade (Calcutta: Seagull Books, 2006), S. 39-55.
- "Gift Exchange between Iran, Central Asia, and China under the Ming Dynasty, 1368-1644", in: Linda Komaroff (Hg.), Gifts of the Sultan: The Arts of Giving at the Islamic Courts (Los Angeles: Los Angeles County Museum of Art, New Haven and London: Yale University Press, 2011), S. 115-123.
Zur Teilnahme an der hybriden Veranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich – komm einfach zum Konfuzius-Institut München! Die Teilnahme ist kostenlos.
Hier können Sie sich live auf Zoom zuschalten.
Hier können Sie sich live per YouTube-Livestream zuschalten.

